Kapitulation
Das nebenstehende Foto (aufgenommen nach der Ratssitzung am 15.12. und veröffentlicht in den „Westfälischen Nachrichten“ am 18.12.2017) hat Symbolcharakter. Es zeigt den Vorsitzenden Dieter Mevert im Kreis etlicher Freckenhorster Zuhörer am Ende der Ratssitzung vom 15.Dezember. Vor wenigen Minuten hatte der Rat mit Mehrheit beschlossen, das Lehrschwimmbad in Freckenhorst nicht weiter zu betreiben. Dieter Mevert winkt nicht zum Abschied am Ende einer erfolgreichen Geschichte des Bades, sondern schwingt die weiße Flagge zur Kapitulation. Er und seine Mitstreiter von Pro Bad und Wasserwacht wurden im Laufe der letzten Jahre regelrecht zermürbt. Bürgermeister Axel Linke , die CDU-Mehrheitsfraktion und Mitglieder der Grünen-Fraktion führten immer wieder neue Horrorszenarien ins Feld. Wenn das eine abgestellt war oder nicht genügend zog, kamen neue Argumente auf den Tisch, immer nur mit dem einen Ziel: Schließen, schließen, schließen !

Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet Bürgermeister Linke an der Spitze derjenigen stand, die ohne Rücksicht auf das, was den Nutzern angetan wurde, nur die Finanzen vor Augen hatten und das Bürgerwohl unberücksichtigt ließen. Und dabei betonte gerade Bürgermeister Linke immer wieder und mit Stolz, dass er an einem anderen Wohnort in vorderster Front mit Bürgern stand, die ein Bad erhalten wollten, mit Erfolg und wie gesagt mit Linkes Hilfe. Auf der einen Seite also der Retter Linke, in Freckenhorst aber derjenige, der den Stöpsel zieht.

Demo-Aqua
Bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes, nur einen Tag nach dem niederschmetternden Beschluss des Stadtrates, wurden Bürgermeister Linke und heimische Ratsmitglieder von den Bürgern ausgepfiffen und ausgebuht, während die Vertreter von Pro Bad bei der Begrüßung durch Christian Murrenhoff, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Freckenhorst, unüberhörbaren Applaus bekamen. Teilnehmer von Aquafitnesskursen machten ebenfalls ihrem Ärger Luft und demonstrierten mit einem Foto und dem Text „Wir wollen Schwimmen, und jetzt lässt man uns Baden gehen“.

Fazit : Wenn einer ein Beispiel für die Missachtung des Ehrenamtes sucht, dann wird er schnell fündig in Freckenhorst. Was hier kaputt gemacht wurde, hinterlässt tiefe Spuren bei den betroffenen Mitgliedern von Pro Bad und Wasserwacht und wird schwerlich zu kitten sein.

Nun hat der Stadtrat dem Lehrschwimmbad Freckenhorst den endgültigen Todesstoß versetzt. Wenn eine Begründung für die Schließung nicht ausreichte, wurde ein anderes Horrorszenario aus dem Hut gezaubert. Das ging so weit, dass sich in den letzten Jahren die Nutzer des Lehrschwimmbades kontinuierlich in Lebensgefahr befunden haben müssen, so hoch waren angeblich vorhandene Sicherheitsrisiken. Vor einem halben Jahr schreckten auf einmal fehlende Brandschutzanlagen im LSB den Rat auf - ein erneuter willkommener Grund zum Schließen. Was war? Den Eingangstüren fehlte ein Mechanismus, mit dem die Tür von innen aufgedrückt werden konnte - übrigens genauso wie im Hallenbad Warendorf. Aber nur das Stichwort „Brandschutz“ hatte höchste Gefahrenmomente suggeriert. Nun waren es unter anderem ein fehlender Fi-Schalter in der Elektroanlage im Keller des Bades und rostende Türzargen. Bei den Türzargen waren es nur die unteren Bleche, die ein heimischer Handwerksbetrieb ausgeschnitten und erneuert hätte. Und auch für die Elektroanlage im Keller wäre schnell ein Fachmann gefunden worden. Warum bestand vor zwei Jahren nach einer Überprüfung nicht schon Lebensgefahr? Aber jetzt bestand bei unveränderter Sachlage diese Gefahr für Leib und Leben. Es war Aufgabe der Stadtwerke als Besitzer der Immobilie, das LSB in einwandfreien Zustand zu überlassen, wie es auch im Vertrag festgelegt ist. Man muss sich fragen, ob hier nicht eine grobe Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch den Besitzer der Immobilie vorgelegen hat und er deshalb zur Rechenschaft gezogen werden müsste. Schließen, schließen, immer schließen – andere Möglichkeiten wurden nicht in Erwägung gezogen. Nicht das Übel beseitigen und reparieren oder eben sanieren.

Keine Entscheidung in Ausschuss oder Rat wurde ergebnisoffen angegangen. Bürgermeister und CDU-Fraktion hatten immer schon Argumente parat, dem Erfolgsmodell Lehrschwimmbad und den Ehrenamtlichen neue Hiobsbotschaften zu präsentieren. Hauptsache der über Jahre störende Klotz am Bein, das Lehrschwimmbad Freckenhorst, war endlich weggeräumt.

Bereits seit 1991 ( also nur 15 Jahre nach der Eröffnung des Lehrschwimmbades (LSB) schlug die Mehrheitsfraktion in den Haushaltsplanberatungen beim Stichwort „Einsparungen“ beharrlich das LSB in Freckenhorst vor. Da sprach noch niemand von erforderlichen Sanierungen. Gottseidank wurde diese Empfehlung nicht umgesetzt. Die Elternpflegschaften der Warendorfer Schulen wehrten sich vehement gegen eine Schließung, so dass in der Folgezeit der Warendorfer Bevölkerung das LSB mit all seinen Vorzügen für Schulen und Gruppen erhalten blieb.

2003 unternahm Bürgermeister Theo Dickgreber (CDU) mit seiner Fraktion im Rücken wieder einen viel versprechenden Versuch, das Bad zu schließlich. Da wurden zum ersten Mal auch Sanierungen als Begründung angegeben, ohne sie jedoch genau zu spezifizieren. Aber in dem Jahr wurde der „Interessen- und Förderverein Pro Bad“ gegründet, und man befand sich im Kommunalwahlkampf.

Was Sanierungen anbetraf, so wurden sie 2006 in einem Sanierungskonzept für alle drei Bäder als dringlich eingestuft. Beim Hallenbad und Freibad Warendorf wurden sie umgesetzt, beim LSB Freckenhorst verfuhr man weiter nach der Methode „Lasst uns mal nichts machen, dann erledigt sich der Fall LSB Freckenhorst von ganz allein!“. Bis jetzt, wo Bürgermeister Linke mit Unterstützung der CDU-Fraktion und einiger Ratsmitglieder aus anderen Fraktionen am Ziel ist. Nie wurden die positiven Zahlen aus der Arbeit von Pro Bad und Wasserwacht hinterfragt und in die Entscheidungen einbezogen. Was der Warendorfer Bevölkerung, vor allem den Schulen und den ortsnahen Freckenhorstern verloren ging bzw. was kaputt gemacht wurde ohne Rücksicht auf Zahlen und finanzielle Anstrengungen des Vereins „Pro Bad“ mag die folgende Bilanz belegen. Es geht dabei um die Zeit von der Gründung des Vereins im Juli 2003 bis zum Aus Ende 2017.

In den vierzehn Jahren an nur neunzig Tagen pro Saison wurden insgesamt 260.439 Nutzer gezählt. Es hätten viel mehr sein können, wenn die Stadt Warendorf dem Verein nicht die nur dreitägige Nutzung vorgeschrieben hätte. Der Zuspruch der Bevölkerung war groß, die Mitgliederzahl stieg von 251 im Gründungsjahr auf 482, also fast eine Verdoppelung. Das Spendenaufkommen mit 45.520 €, ausschließlich aus dem Ortsteil, spricht eine eigene Sprache.

Wie brachte sich „Pro Bad“ finanziell ein? Für Nutzungsentgelt (die Sportvereine im Stadtsportverband zahlen keine Hallennutzungsgebühren) entrichtete der Verein 138.350 € an die Stadtwerke, die sich vertraglich für ein funktionierendes Bad verpflichteten. Weitere Einnahmen in Höhe von mehr als 100.000 € erzielten die Stadtwerke, weil die Stadt Warendorf die Nutzungsgebühren für die Schulen und die Wasserwacht trug. Dabei profitierten sie vom Fachpersonal für das Bad und den Reinigungskräften, für die der Verein Personalkosten einschließlich Steuern und Sozialabgaben in Höhe von 134.200 € trug. Die Stadtwerke selbst beschäftigten im LSB keinen Bediensteten für die täglichen Kontrollen und den reibungslosen Ablauf. An Versicherungsleistungen brachte der Verein 8.750 € auf.

Zudem hat der Verein einen Anteil in Höhe von 50.000 € für die Baderhaltung getragen (neue Türen, Anstriche, Chlorgasanlage, Umstellung der Beckenwassererwärmung=Anteil mit 15.000 €, Haartrockner etc.). Wenn man diese finanziellen Anstrengungen des Vereins „Pro Bad“ und die Zahlungen an die Stadtwerke sieht, kann jeder leicht verstehen, dass das LSB Freckenhorst das mit Abstand kostengünstigste Bad der Stadt Warendorf ist. Und es gibt keinen Verein in Warendorf, der sich für eine kommunale Einrichtung und seine Bürger finanziell so ins Zeug legte.

Aber diese Zahlen haben die Entscheider gegen das LSB nicht interessiert. Sie wären wichtig gewesen, wenn man ergebnisoffen diskutiert und beraten hätte. Aber nach den positiven Zahlen des Vereins und seiner erfolgreichen Arbeit für die Bevölkerung fragte niemand. Können Bürgermeister Linke , die ihn unterstützende CDU-Fraktion und einige andere Ratsmitglieder sich jetzt zufrieden und mit ruhigem Gewissen zurücklehnen? Können sie emotionslos mit ansehen, wie sie mit dem Aus für das LSB auch einen fast 500 Mitglieder starken Verein von heute auf morgen zur Aufgabe zwingen? Das ist sicherlich ein einmaliger Vorgang in einer Kommune. Der Interessen- und Förderverein Pro Bad e.V. wird sich entsprechend seiner Satzung auflösen, da ihm die Basis genommen wurde. Die Ehrenamtlichen von Pro Bad und Wasserwacht wurden regelrecht in ihrem Bemühen um den Erhalt des LSB zermürbt. Vielleicht schütteln die Verantwortlichen für das Aus des LSB über solche eine Aussage nur verständnislos den Kopf. Die, die es getroffen hat, sind ja nur aus dem Ortsteil Freckenhorst und weit weg.

Mit großer Spannung hatten die Mitglieder von „Pro Bad“ und die vielen Nutzer des LSB Freckenhorst die von der Politik beantragte Einwohnerversammlung am Freitag, den 28.April 2017, im Sparkassenforum Warendorf erwartet. Nach der erneuten Vorstellung der Bäderbedarfsanalyse durch das Büro Altenburg (Düsseldorf), der Darstellung von verschiedenen Szenarien zur Sanierung des LSB oder Neubau eines Bades durch Vertreter der Stadtwerke GmbH und der Kämmerei der Stadt waren für die vielen Zuhörer – der größte Teil kam aus dem Ortsteil Freckenhorst- vor allem die Auswertung der Stellungnahmen der aktuellen und zusätzlich interessierten Nutzer sowie die Einschätzungen der Fraktionen von allergrößtem Interesse. Die Nutzer hatten ausnahmslos auf die Besonderheit und damit verbundenen Vorzüge des Bades hingewiesen und eine Fortführung der Belegung gefordert. Unerwartet war allerdings die Einmütigkeit der Fraktionen von SPD, Grünen, FWG und FDP, mit der sie den Antrag des Bürgermeisters auf Schließung des LSB Freckenhorst ablehnen wollten. Lediglich die CDU-Fraktion bestätigte ihre schon bekannte Haltung zur Schließung des Bades, musste allerdings einschränken, dass sie in dieser Meinung nicht mit einer Stimme votieren würden.

Den Vertretern von „Pro Bad“ und DRK – Wasserwacht und den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern fiel ein großer Stein vom Herzen, hatten sie doch mit einer derartigen Mehrheit zur Zustimmung zum Erhalt des Bades nicht gerechnet. Zudem konnten sie registrieren, dass die ehrenamtlichen und mit viel Herzblut eingebrachten Anstrengungen zum Wohle der Bürgerschaft der Stadt Warendorf auch bei den meisten Ratsvertretungen Anerkennung gefunden hatten.

Quo vadis Lehrschwimmbad?

Mit der im Sommer 2016 erstellten und in den politischen Gremien vorgestellten Bäder-Bedarfsanalyse für die Stadt Warendorf ist der Startschuss im Entscheidungsprozess um den Fortbestand des Lehrschwimmbades (LSB) in Freckenhorst gefallen.

So Nicht!
In der Zwischenzeit wurde das Thema in verschiedenster Art und Weise be- und erarbeitet. So hat der Rat der Stadt Warendorf die Verwaltung beauftragt, auf der Grundlage der Bedarfsanalyse weitergehende Erkenntnisse und Fakten für die Entscheidungsfindung zu erarbeiten bzw. zu schaffen. Vorrangig solle eruiert werden, wie sich die direkt und indirekt betroffenen Vereine und Institutionen zur doch sehr pauschalierten Aussage in der Bedarfsanalyse „der Wegfall des Lehrschwimmbades Freckenhorst könne zukünftig gut kompensiert werden“ positionieren. Insbesondere ist hier von Interesse, ob aus der Sicht der verantwortlichen Badnutzer das rein theoretische „Altenburgische Modell“ in der Praxis überhaupt umsetzbar ist.

Da es sich beim Thema LSB um eine weitreichende Entscheidung handelt, hat der Rat der Stadt Warendorf ferner beschlossen, am 28. April für alle interessierten Bürger eine Einwohnerversammlung abzuhalten. Sie findet um 19.00 Uhr im Sparkassenforum, Freckenhorster Str., statt und dient der Präsentation und Diskussion. Es wird über die Grundlagen, Ziele, Zwecke und erwarteten Auswirkungen i. S. Fortbestand LSB ja/nein informiert. Die Einwohner können anschließend mit den anwesenden Ratsmitgliedern über das Thema diskutieren.

Mit Blick auf diese Veranstaltung, aber auch im Vorfeld der am 06. April stattfindenden Mitgliederversammlung von „Pro Bad e. V.“, hält es der Vorstand für erforderlich, alle relevanten Informationen, angefangen von der Bedarfsanalyse, Ratsvorlagen, Anträge, bis hin zu den eingeholten (autorisierten) Stellungnahmen, dem vom Bürgermeister Linke initiierten Ratsbürgerentscheid und der Stellungnahme des Vereins dazu, für die interessierte Warendorfer Bürgerschaft auf seiner Internetseite zu veröffentlichen.

Der Interessen- und Förderverein „Pro Bad“ e.V. würde sich freuen, wenn die Warendorfer Bürgerschaft von der Informationsmöglichkeit hinreichend Gebrauch macht und sich in den Entscheidungsprozess um den Fortbestand des LSB, so z. B. durch ihre Anwesenheit auf der Einwohnerversammlung, mit einbringt.

Im weiteren finden Sie chronologisch sortierte Berichte, Protokolle, Stellungnahmen und Hintergründe: 

Seit dem Jahr 2003 hat die Stadt Warendorf die Absicht, das Lehrschwimmbad in Freckenhorst zu schließen. Durch die Gründung des Interessen-und Fördervereins „Pro Bad“ e.V. konnte dieses Vorhaben bisher verhindert werden, allerdings mit der ständigen Sorge, dass fehlende dringend notwendige Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen den langfristigen Erhalt gefährden könnten. An diesem Punkt sind wir jetzt angelangt: Ein Gutachten hat einen Sanierungsaufwand von rd. zwei Millionen Euro ermittelt – für eine Kommune sicherlich ein einschneidender finanzieller Kraftakt, der einer handfesten Begründung bedarf.

Um die Notwendigkeit des Erhalts des Lehrschwimmbades zu untermauern, hat „Pro Bad“ bei der Stadt Warendorf die Aufstellung einer Bäder-Bedarfsanalyse für die Stadt Warendorf beantragt. Diese Analyse, auch mit erheblicher finanzieller Beteiligung des Vereins auf den Weg gebracht, liegt jetzt vor und wird in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses vorgestellt. Sie stellt alle Aktivitäten in den Warendorfer Bädern und in der Schwimmhalle der Bundeswehrsportschule auf den Prüfstand und wird für viele Diskussionen in den städtischen Gremien und den betroffenen Vereinen sorgen.